Wenn du trotz grossem Einsatz von alltäglichen Aufgaben überfordert bist und es unmöglich findest, Ordnung in deinen Gedanken und deiner Umgebung zu halten, könnte dies auf ADHS hinweisen. Viele Erwachsene erleben dies täglich, und die Ursache kann eine in der Kindheit nicht diagnostizierte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein – eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die nicht mit dem Alter verschwindet, sondern ihre Erscheinungsform ändert und sich oft hinter Ängsten, Depressionen oder Prokrastination tarnt.
Inhaltsverzeichnis
- Liste der 18 ADHS-Anzeichen bei Erwachsenen: Detaillierte Besprechung mit Beispielen
- Wie sieht die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen in der Schweiz aus: Vom ASRS-Test bis zum DIVA-5-Interview
- ADHS-Behandlung: Pharmakologie, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und andere Methoden
- ADHS bei erwachsenen Frauen: Wie erkennt man die Maskierung von Symptomen?
- Wie man mit alltäglichen Herausforderungen umgeht: Prokrastination, Vergesslichkeit und Impulsivität bei ADHS
- Wo findet man ADHS-Hilfe in der Schweiz: Beratungsstellen, Fachpersonen und Organisationen
- ADHS und andere Störungen: Komorbidität mit Depressionen, Ängsten und Abhängigkeiten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Dieser Artikel bietet den umfassendsten und praxisorientiertesten Leitfaden zu ADHS bei Erwachsenen, der auf das schweizerische Gesundheitssystem zugeschnitten ist. Wir besprechen Schritt für Schritt 18 wesentliche Anzeichen gemäss der DSM-5-Klassifikation, stellen den Diagnosepfad vor – vom eigenständigen ASRS-Vorsorgetest bis zum Goldstandard, dem DIVA-5-Interview – und beschreiben verfügbare Behandlungsmethoden von Pharmakologie bis zur kognitiven Verhaltenstherapie. Für eine weitere Perspektive kannst du die Ressource des Royal College of Psychiatrists zu ADHS bei Erwachsenen besuchen, obwohl sie primär auf das britische Gesundheitssystem ausgerichtet ist.
Der Artikel wurde von der Redaktion von «Dobrze żyć» erarbeitet und fachlich mit einem Psychiater konsultiert, um höchste Qualität und Glaubwürdigkeit zu gewährleisten. Du findest Links zu praktischen Hilfsmitteln, die dich auf das Gespräch mit einer Fachperson vorbereiten. Es ist auch wichtig, sich mit den aktuellen klinischen Leitlinien von Termedia für ADHS-Diagnose und -Behandlung bei Erwachsenen vertraut zu machen, wobei zu beachten ist, dass schweizerische Richtlinien kantonal variieren können.
Vermutest du bei dir ADHS? Die Vorbereitungs-Checkliste für den Fachpersonenbesuch kann dabei helfen, deine Beobachtungen zu strukturieren.

Liste von 18 ADHS-Symptomen bei Erwachsenen: Detaillierte Erlaeuterung mit Beispielen
Die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen basiert auf den diagnostischen Kriterien des DSM-5, die 18 Hauptsymptome auflisten. Diese werden in zwei Gruppen unterteilt: Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivitaet und Impulsivitaet. Für eine Diagnose muessen mindestens fünf Symptome aus einer oder beiden Gruppen ueber mindestens sechs Monate vorliegen und das Funktionieren in mindestens zwei Lebensbereichen – wie Beruf und Zuhause – erheblich beeintraechtigen. Das DIVA-5 diagnostische Interview fuer ADHS im Erwachsenenalter ist ein haeufig verwendetes Instrument in der Diagnostik dieser Stoerung.
Symptome im Zusammenhang mit Unaufmerksamkeit (9 Symptome)
Diese Symptomgruppe beschreibt Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation und dem Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit bei Aufgaben, die nicht stimulierend sind. Entgegen dem Anschein koennen sich Personen mit ADHS sehr wohl auf Dinge konzentrieren, die sie faszinieren – dieses Phaenomen nennt sich Hyperfokus –, haben jedoch enorme Probleme, ihre Aufmerksamkeit auf Abruf zu aktivieren.
- Haeufiges Begehen von Fehlern aufgrund von Unaufmerksamkeit.
- Erklaerung: Dies resultiert nicht aus mangelndem Wissen, sondern aus Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit auf Details zu richten. Das Gehirn bei ADHS ermuedet schnell bei monotonen Aufgaben.
- Beispiele: Das Versenden von E-Mails mit Tippfehlern trotz mehrfacher Kontrolle, Fehler in Berechnungen eines Berichts, Uebersehen eines wichtigen Punktes in einem Vertrag.
- Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder Aktivitaeten aufrechtzuerhalten.
- Erklaerung: Die Aufmerksamkeit ist «bruechig» und laesst sich leicht ablenken, besonders waehrend langer Besprechungen, Vortraege oder beim Lesen eintoeniger Texte.
- Beispiele: Gedankenabschweifen waehrend einer Arbeitsbesprechung, Schwierigkeit, einen ganzen Film ohne Griff zum Telefon anzuschauen, Notwendigkeit, denselben Absatz mehrfach zu lesen.
- Haeufiger Eindruck, dass man seinem Gespraechspartner nicht zuhoert, selbst wenn er direkt mit einem spricht.
- Erklaerung: Trotz Versuchen, sich zu konzentrieren, wandern die Gedanken zu anderen, interessanteren Themen, und das Gehirn verarbeitet Reize aus der Umgebung.
- Beispiele: Bitte, eine Frage gleich nach ihrer Stellung zu wiederholen, die Erkenntnis mitten in einem Gespraech, dass man keine Ahnung hat, wovon die andere Person spricht.
- Probleme, Anweisungen zu folgen und Aufgaben zu Ende zu bringen.
- Erklaerung: Die Schwierigkeit liegt nicht im Verstaendnis der Anweisungen, sondern darin, die Motivation und die Handlungsreihenfolge aufrechtzuerhalten, um eine Aufgabe zum Abschluss zu bringen.
- Beispiele: Gleichzeitiges Beginn vieler Projekte und Fertigstellung keines, Aufgabe mitten drin fallen lassen, sobald eine neue, interessantere Taetigkeit auftaucht.
- Probleme bei der Organisation von Aufgaben und Aktivitaeten.
- Erklaerung: Die exekutiven Funktionen, die fuer Planung, Priorisierung und Zeitmanagement verantwortlich sind, sind beeintraechtigt.
- Beispiele: Chronisches Chaos auf dem Schreibtisch und in Computerdaten, Schwierigkeiten abzuschaetzen, wie lange eine bestimmte Aufgabe dauern wird, haeufiges Zuspaetkommen.
- Vermeidung von Aufgaben, die langanhaltende geistige Anstrengung erfordern.
- Erklaerung: Das Gehirn bei ADHS nimmt solche Aufgaben als koerperlich schmerzhaft wahr, was zu Prokrastination fuehrt.
- Beispiele: Steuererklaerung, Diplomarbeit oder Vorbereitung einer wichtigen Praesentation bis zur letzten Minute aufschieben.
- Verlieren von Gegenstaenden, die zur Aufgabenerledigung notwendig sind.
- Erklaerung: Dies resultiert aus Problemen mit dem Arbeitsgedaechtnis und einer schwachen Organisation des Umfelds.
- Beispiele: Staendiges Suchen nach Schluesseln, Telefon, Geldboerse oder wichtigen Dokumenten.
- Leichte Ablenkbarkeit durch aeussere Reize.
- Erklaerung: Das Gehirn bei ADHS hat Probleme, irrelevante Informationen aus der Umgebung herauszufiltern.
- Beispiele: Das Geraeusche einer Telefonbenachrichtigung kann den Arbeitsrhythmus voellig stoeren, ein Gespraech von Kollegen im Hintergrund macht es unmoglich, sich auf die eigene Aufgabe zu konzentrieren.
- Haeufiges Vergessen alltaeglicher Angelegenheiten.
- Erklaerung: Das Arbeitsgedaechtnis ist ueberlastet, was es erschwert, vereinbarte Termine, Fristen oder Pflichten zu behalten.
- Beispiele: Vergessen, Rechnungen zu bezahlen, jemanden zurueckzurufen, einen Arzttermin wahrzunehmen oder den Geburtstag einer nahestehenden Person.
Mehr über psychologische Persönlichkeitsmerkmale, die mit ADHS übereinstimmen können, erfahren Sie in unserem Artikel über Eigenschaften von Introvertierten und Strategien zur Stärkung der mentalen Gesundheit.
Symptome im Zusammenhang mit Hyperaktivitaet und Impulsivitaet (9 Symptome)
Diese Kategorie beschreibt Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle, das Beduerfnis nach staendiger Bewegung und innere Unruhe. Bei Erwachsenen nimmt Hyperaktivitaet haeufiger eine mentale als eine koerperliche Form an, die sich als Gedankenrasen oder Rededrang aeussert.
- Unruhige Bewegungen der Haende oder Fuesse, Herumrutschen auf dem Stuhl.
- Erklaerung: Der Koerper sucht nach Wegen, innere Anspannung zu loesen und sich selbst zu stimulieren.
- Beispiele: Fingertrommeln auf dem Tisch, Klicken mit einem Stift, Wippen mit dem Beim im Sitzen.
- Schwierigkeiten, sitzen zu bleiben, wenn es erforderlich ist.
- Erklaerung: Langes Verharren in einer Position erzeugt starkes Unbehagen und Bewegungsdrang.
- Beispiele: Aufstehen und im Zimmer umhergehen waehrend langer Besprechungen, Wahl von Stehplaetzen, staendiges Wechseln der Sitzposition.
- Gefuehl innerer Unruhe, «staendig in Bewegung zu sein».
- Erklaerung: Dies ist das mentale Gegenstueck zur koerperlichen Hyperaktivitaet – Gedankenrasen, Unfaehigkeit, sich zu entspannen.
- Beispiele: Schwierigkeiten bei Meditation oder ruhiger Erholung, das Gefuehl, dass man «etwas tun muss» selbst in der Freizeit.
- Uebermaessige Redseligkeit.
- Erklaerung: Impulsivitaet kombiniert mit schneller Gedankenverarbeitung fuehrt zu Schwierigkeiten, den Redefluss zu kontrollieren.
- Beispiele: Sehr schnelles Sprechen, Springen von Thema zu Thema, Dominieren von Gespraechen.
- Herausplatzen mit einer Antwort, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
- Erklaerung: Das Gehirn verarbeitet Informationen so schnell, dass es glaubt, die ganze Frage und Antwort bereits zu kennen, was das Warten auf das Ende der Aeusserung des Gespraechspartners erschwert.
- Beispiele: Saetze fuer jemand anderen beenden, Beantwortung einer Frage, die noch nicht vollstaendig gestellt wurde.
- Schwierigkeit, auf die eigene Reihe zu warten.
- Erklaerung: Geduld ist eine Ressource, die sich aufgrund des Beduerfnisses nach sofortiger Befriedigung und Schwierigkeiten mit der Impulshemmung schnell erschöpft.
- Beispiele: Ungeduld in Warteschlangen, im Stau, waehrend Brettspielen.
- Unterbrechen anderer, sich in Gespraeche einmischen.
- Erklaerung: Dies resultiert aus der Befuerchtung, dass ein wichtiger Gedanke verloren geht, wenn er nicht sofort ausgesprochen wird.
- Beispiele: Jemandem ins Wort fallen, Einwerfen eigener Bemerkungen in Gespraeche Dritter.
- Uebermaessige Aktivitaet, Schwierigkeiten, Freizeit ruhig zu verbringen.
- Erklaerung: Das Beduerfnis nach Stimulation fuehrt dazu, dass untaetige Entspannung schwer zu erreichen ist.
- Beispiele: Viele Hobbys haben, die sich schnell aendern, jede Minute des Urlaubs planen, Langeweile waehrend der Erholung.
- Ueberstuertzte Entscheidungen treffen, ohne Konsequenzen zu bedenken (Impulsivitaet).
- Erklaerung: Eine beeintraechtigte Hemmungskontrolle fuehrt zu Handlungen im Affekt, ohne Analyse moeglicher Folgen.
- Beispiele: Impulskaeufe, ploetzliche Kuendigung des Jobs, Eingehen riskanter Investitionen, Eintritt in stuermische Beziehungen.
Checkliste: Welche Symptome betreffen Sie?
Sehen Sie sich die nachstehende Liste an und ueberlegen Sie, welche dieser Verhaltensweisen regelmassig in Ihrem Leben auftreten und reale Schwierigkeiten verursachen.
Checkliste der ADHS-Symptome bei Erwachsenen:
- ✓ Haeufige Fehler durch Unaufmerksamkeit
- ✓ Schwierigkeit, Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
- ✓ Eindruck «nicht zuzuhoeren»
- ✓ Aufgaben nicht zu Ende bringen
- ✓ Organisationsprobleme
- ✓ Vermeidung geistiger Anstrengung
- ✓ Verlieren von Gegenstaenden
- ✓ Leichte Ablenkbarkeit
- ✓ Vergessen von Pflichten
- ✓ Herumrutschen, unruhige Bewegungen
- ✓ Schwierigkeit, sitzen zu bleiben
- ✓ Innere Unruhe
- ✓ Uebermaessige Redseligkeit
- ✓ Antworten vor Ende der Frage
- ✓ Ungeduld beim Warten
- ✓ Unterbrechen anderer
- ✓ Schwierigkeit mit ruhiger Erholung
- ✓ Impulsive Entscheidungen
Zusammenfassung: Wenn Sie regelmassig 5 oder mehr Symptome aus einer Gruppe – oder beiden – erfahren, die Ihr Funktionieren ueber laengere Zeit erheblich erschweren, koennen weitere diagnostische Schritte erwogen werden. Denken Sie daran, dass diese Checkliste kein Diagnosewerkzeug ist, sondern lediglich einen Hinweis darstellt.
Wie sieht die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen in der Schweiz aus: Vom ASRS-Test zum DIVA-5-Interview
Der diagnostische Prozess fuer ADHS bei Erwachsenen in der Schweiz ist mehrstufig und zielt nicht nur darauf ab, Symptome zu bestaetigen, sondern auch andere Stoerungen auszuschliessen, die aehnliche Symptome verursachen koennen. Entscheidend ist, dass die Diagnose von einem Spezialisten mit Erfahrung in der Arbeit mit erwachsenen ADHS-Personen durchgefuehrt wird – fuer solche Konsultationen koennen Sie beispielsweise Ihre Hausaerztin oder Ihren Hausarzt um eine Ueberweisung bitten.
Schritt 1: Selbststaendiger Screening-Test ASRS
Der erste Schritt, den Sie selbst durchfuehren koennen, ist die Ausfuellung der Selbstbeurteilungsskala fuer ADHS im Erwachsenenalter, kurz ASRS. Dieses von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelte Screening-Instrument hilft einzuschaetzen, ob Ihre Symptome auf ADHS hindeuten koennten. Der Test besteht aus 18 Fragen, die sich direkt auf die diagnostischen Kriterien des DSM-5 beziehen. Wichtig: Die ASRS stellt keine Diagnose dar, sondern ist ein Instrument, das lediglich auf die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens der Stoerung hinweist. Ein Ergebnis oberhalb des Schwellenwerts legt nahe, dass eine Konsultation mit einem Spezialisten sehr ratsam ist.
Schritt 2: Termin beim Spezialisten und Vorbereitung auf das DIVA-5-Interview
Eine formelle ADHS-Diagnose bei Erwachsenen kann in der Schweiz von einer Facharztin oder einem Facharzt fuer Psychiatrie und Psychotherapie gestellt werden. Der diagnostische Prozess wird oft durch einen diagnostisch taetigen Psychologen unterstuetzt. Der Goldstandard in der Diagnostik ist das strukturierte klinische Interview DIVA-5 (Diagnostisches Interview fuer ADHS bei Erwachsenen).
Um sich gut auf den Termin vorzubereiten, ist es sinnvoll, moeglichst viele Informationen ueber Ihr Funktionieren in der Kindheit – vor dem vollendeten 12. Lebensjahr – zu sammeln. Dies ist wichtig, da eines der diagnostischen Kriterien das Auftreten von Symptomen bereits in dieser Zeit ist. Folgende Informationen sind hilfreich:
- Dokumente aus der Kindheit: Schulzeugnisse (insbesondere mit Verhaltensnoten und Bemerkungen von Lehrern), Gutachten von psychologisch-paedagogischen Beratungsstellen, alte Tagebuecher.
- Gespraeche mit nahestehenden Personen: Eltern, aeltere Geschwister oder Betreuungspersonen koennen sich an Verhaltensweisen und Schwierigkeiten erinnern, deren Sie sich nicht bewusst sind.
- Eigene Erinnerungen: Notieren Sie konkrete Be

ADHS Behandlung: Pharmakologie, kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und weitere Ansätze
Die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen basiert in der Schweiz auf einem mehrdimensionalen, auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Konzept. Besonders wirksam erweist sich dabei die Kombination aus medikamentöser Therapie und psychotherapeutischen Interventionen, um wirksame Strategien für den Umgang mit den Symptomen im Alltag zu entwickeln.
Pharmakologie in der ADHS-Behandlung: In der Schweiz verfügbare Medikamente
Medikamente bilden häufig die Grundlage der ADHS-Behandlung, weil sie direkt auf die neurobiologische Basis der Störung einwirken. Sie zielen darauf ab, die Konzentration von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin zu regulieren und so die Kommunikation zwischen den Nervenzellen zu verbessern. Dies kann zu einer deutlichen Steigerung von Konzentration, Impulskontrolle und organisatorischen Fähigkeiten führen. In der Schweiz stehen zwei Hauptgruppen von Medikamenten zur Verfügung:
- Stimulierende Medikamente: Hierzu gehört Methylphenidat, das als First-Line-Therapie mit hoher Wirksamkeit gilt. Seine Wirkung setzt relativ schnell ein, erfordert aber eine regelmässige Uberwachung von Blutdruck und Herzfunktion, oft mittels EKG – eine Praxis, die in vielen Schweizer Kantonen Standard ist.
- Nicht-stimulierende Medikamente: Der Hauptvertreter ist Atomoxetin, das anders wirkt als Stimulanzien und dessen volle therapeutische Wirkung erst nach einigen Wochen eintritt. Es ist eine wichtige Alternative fur Personen, die Stimulanzien nicht vertragen oder bei denen Kontraindikationen bestehen.
Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der am häufigsten verwendeten Wirkstoffe auf dem Schweizer Markt.
| Wirkstoff | Beispielhafter Handelsname | Medikamententyp | Wirkungsdauer | Wesentliche Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Methylphenidat (IR) | Medikinet, Ritalin | Stimulans | Kurz (ca. 4 h) | Erfordert mehrfache Einnahme während des Tages. |
| Methylphenidat (CR/XR) | Concerta, Medikinet CR | Stimulans | Lang (8–12 h) | Praktische Formulierung mit verzögerter Freisetzung, häufig von Krankenkassen rückerstattet. |
| Atomoxetin | Atomoxetin Medice, Konaten | Nicht-stimulierend | Lang (24 h) | Volle Wirkung nach 4–6 Wochen; geringeres Missbrauchsrisiko. |
| Lisdexamfetamin | Elvanse, Vyvanse | Stimulans | Lang (ca. 13 h) | Prodrug, was das Missbrauchspotenzial reduziert; Zulassung und Ruckerstattung konnen in der Schweiz variieren. |
*Informationen zu Medikamenten, deren Verfügbarkeit und Rückerstattung durch die Krankenkasse sollten stets mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt sowie der Apotheke verifiziert werden. Eine medikamentose Behandlung muss unter strenger psychiatrischer Kontrolle erfolgen.
Auf ADHS ausgerichtete kognitive Verhaltenstherapie (CBT)
Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bietet Erwachsenen mit ADHS konkrete Werkzeuge, um mit den Auswirkungen der Störung im Alltag umzugehen, ohne deren biologische Ursachen zu behandeln. Ein auf ADHS zugeschnittener Therapieplan in einer Schweizer Praxis fokussiert sich typischerweise auf folgende Bereiche:
- Psychoedukation: Verstandnis dafur, wie ADHS das Gehirn und das Verhalten beeinflusst.
- Arbeit an exekutiven Funktionen: Erlernen von Planung, Organisation, Prioritätensetzung und Zeitmanagement.
- Bewältigung von Prokrastination: Techniken zum Aufteilen von Aufgaben in kleinere Schritte und Methoden zur Aktivierung.
- Emotionsregulation: Identifizierung und Umgang mit schwierigen Emotionen wie Frustration oder Wut.
- Umstrukturierung negativer Überzeugungen: Arbeit an geringem Selbstwertgefühl, das oft Folge langjähriger Schwierigkeiten ist.
Die Therapie ist besonders wirksam, wenn sie parallel zur medikamentösen Behandlung erfolgt, da die Medikamente ein «therapeutisches Fenster» schaffen, in dem die Umsetzung neuer Fähigkeiten leichter fällt. Die Kosten für eine solche Therapie werden in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen von der Grundversicherung übernommen.
Weitere Unterstützungsformen: ADHS-Coaching und Selbsthilfegruppen
Neben Medikamenten und Therapie können weitere Hilfsangebote eine wertvolle Ergänzung im Schweizer Versorgungskontext sein. Ein ADHS-Coach ist ein Partner, der bei der praktischen Umsetzung von Strategien, dem Aufbau von Gewohnheiten und der Erreichung konkreter Lebens- und Berufsziele unterstützt. Selbsthilfegruppen hingegen bieten die unschätzbare Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen Betroffenen auszutauschen, was das Gefühl der Isolation reduziert und es ermöglicht, voneinander bewährte Methoden zu lernen. Solche Gruppen konnen beispielsweise bei Organisationen wie ADHS Schweiz oder in vielen Gemeinden und Kantonen gefunden werden.
Mehr darüber haben wir in unserem Artikel über emotionalen Minimalismus und Techniken zur Reduktion innerer Unruhe beschrieben.
ADHS bei erwachsenen Frauen: Wie erkennt man die Maskierung von Symptomen?
ADHS bei Frauen bleibt häufig unerkannt, weil sich die Symptome oft subtiler und anders ausprägen als bei Männern. Dies führt dazu, dass viele Frauen mit der Storung leben, ohne eine korrekte Diagnose zu erhalten, und ihre Schwierigkeiten fälschlicherweise anderen Ursachen zuschreiben.
Weshalb wird ADHS bei Frauen häufig nicht erkannt?
Die Hauptgründe für die Unterdiagnose von ADHS bei Frauen sind eine unterschiedliche Symptompräsentation und das Phänomen der ausgeprägten Maskierung.
- Vorherrschen von Unaufmerksamkeitssymptomen: Bei Frauen dominiert häufiger der unaufmerksame Typus («leises» ADHS), der nach aussen weniger auffällig ist als Hyperaktivität. Statt durch impulsives Verhalten aufzufallen, sind Mädchen und Frauen oft abwesend und in Gedanken versunken, was seltener als Problem wahrgenommen wird.
- Maskierung: Unter sozialem Druck entwickeln Frauen oft komplexe kompensatorische Strategien, um ihre Schwierigkeiten zu verbergen – wie ubertriebener Perfektionismus oder zwanghaftes Planen. Diese Maskierung ist extrem energieraubend und führt häufig zu chronischer Erschöpfung und Burnout, einem weit verbreiteten Problem in der Schweizer Arbeitswelt.
- Geschlechterstereotype: Symptome wie emotionale Labilität werden oft bagatellisiert und einer «weiblichen Natur» zugeschrieben, anstatt als Hinweis auf eine neurologische Storung erkannt zu werden.
Typische ADHS-Symptome bei Frauen: Eine Fallstudie
Stellen Sie sich die Geschichte von Anna vor, einer 35-jährigen Projektleiterin aus Zürich. Beruflich gilt sie als Perfektionistin, die Projekte stets termingerecht abliefert. Ihr Umfeld ahnt nicht, dass Anna Nächte damit verbringt, Rückstände aufzuholen, weil sie sich tagsüber im Bürotrubel nicht konzentrieren kann. Ihre Wohnung ist ständig chaotisch, obwohl sie sich jedes Wochenende einen grossen Hausputz vornimmt. Sie fühlt sich von alltäglichen Verpflichtungen uberfordert, hat das Gefühl, nicht so gut zurechtzukommen wie ihre Kolleginnen, und ihr Selbstwertgefühl ist sehr niedrig. Häufige Wutausbrüche wegen Kleinigkeiten belasten ihre Partnerschaft. Annas Symptome wurden uber Jahre als Angststörung und Depression diagnostiziert, ohne dass die Behandlung half. Erst die späte ADHS-Diagnose in einer Spezialsprechstunde brachte Klarheit.
Bei Frauen treten ADHS-Symptome oft gemeinsam mit emotionaler Dysregulation, niedrigem Selbstwertgefühl und einem chronischen Unruhegefühl auf. Zudem können hormonelle Schwankungen – beispielsweise im Monatszyklus oder während der Menopause – die Symptome in der Schweiz ebenso wie international deutlich verstärken.
Anpassung von Behandlung und Therapie für Frauen
Ein zentraler Bestandteil der Therapie für Frauen mit ADHS ist die Psychoedukation zum Thema Maskierung und deren energiezehrenden Folgen. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Mechanismus ist ein erster Schritt zur Veränderung. Die Therapie fokussiert sich oft darauf, Perfektionismus abzulegen, ein authentisches Selbstwertgefühl aufzubauen und Durchsetzungsvermögen zu erlernen. Ebenso wichtig ist, dass der behandelnde Psychiater in der Schweiz den Einfluss des Hormonzyklus auf die Symptomverstärkung bei der Anpassung der medikamentösen Therapie berücksichtigt, da dies kantonal unterschiedlich gehandhabt werden kann.

Umgang mit alltäglichen Herausforderungen: Prokrastination, Vergesslichkeit und Impulsivität bei ADHS
Die effektive Bewältigung von ADHS-Symptomen im Erwachsenenalter beruht auf praktischen Strategien, die als externes Gerüst für die beeinträchtigten exekutiven Funktionen dienen. Ein Verständnis der neurobiologischen Grundlagen hilft, die richtigen Werkzeuge auszuwählen.
Prokrastination: neurobiologische Ursachen und praktische Strategien
Prokrastination bei ADHS ist kein Zeichen von Faulheit, sondern ein Problem mit der Aktivierung und Dopaminregulierung. Das Gehirn kann schwer eine Aufgabe beginnen, die keine unmittelbare Belohnung bietet. Um diesen Stillstand zu überwinden, gibt es bewährte Techniken:
- Aufgaben in kleine Schritte teilen: Anstatt «Ich muss einen Bericht schreiben» zu denken, unterteilen Sie es in Mikro-Aufgaben: «Ich öffne ein neues Dokument», «Ich schreibe die erste Ueberschrift», «Ich suche die Daten für die Tabelle».
- Pomodoro-Technik: Arbeiten Sie in konzentrierten Zeitblöcken (z.B. 25 Minuten), gefolgt von einer kurzen Pause (5 Minuten). Der Klang eines Timers gibt dem Gehirn das Signal für eine Erholungspause und hilft, die Disziplin beizubehalten.
- «Body Doubling» (gemeinsames Arbeiten): Arbeiten Sie in Gegenwart einer anderen Person, auch wenn diese etwas anderes tut. Schon die Anwesenheit kann motivierend wirken und die Konzentration aufrechterhalten – eine Praxis, die in vielen Schweizer Coworking Spaces zu finden ist.
Vergesslichkeit: wie Sie das Arbeitsgedächtnis unterstützen koennen
Defizite im Arbeitsgedächtnis machen es schwierig, viele Informationen gleichzeitig im Kopf zu behalten. Statt dagegen anzukaempfen, ist es sinnvoller, externe Systeme zu nutzen. Genau hier passieren in der Praxis viele Fehler.
- Nutzen Sie digitale Kalender und Erinnerungen: Tragen Sie jedes Meeting, jede Frist und Aufgabe sofort ein, wenn es auftaucht. Stellen Sie mehrere Alarme ein, zum Beispiel über Ihr Natel (Handy).
- Erstellen Sie To-do-Listen: Listen Sie jeden Morgen oder Abend die Aufgaben für den naechsten Tag auf. Das Abhaken erledigter Punkte gibt ein Gefühl der Zufriedenheit und motiviert.
- Die Regel des «Ein-Platzes»: Bestimmen Sie einen festen Platz für die wichtigsten Dinge: Schluessel, Portemonnaie (Geldbeutel), Telefon. Entwickeln Sie die Gewohnheit, sie dort immer abzulegen, wenn Sie nach Hause kommen.
Impulsivität: Techniken zur Rueckgewinnung der Kontrolle
Impulsivität kann zu finanziellen, sozialen und emotionalen Problemen führen. Der Schluessel liegt darin, einen «Puffer» zwischen Impuls und Handlung zu schaffen.
- Bei Finanzen – die «24-Stunden-Regel»: Geben Sie sich 24 Stunden Bedenkzeit, bevor Sie eine ungeplante, grossere Anschaffung taetigen. Oft verfliegt der Impuls nach dieser Zeit. Beachten Sie, dass Rueckgaberechte in der Schweiz kantonal unterschiedlich geregelt sein koennen.
- Im Gespraech – aktives Zuhören: Konzentrieren Sie sich darauf, was die andere Person sagt, statt daran zu denken, was Sie selbst sagen moechten. Sie koennen versuchen, ihre Aussage mit eigenen Worten wiederzugeben.
- Bei Emotionen – Achtsamkeitstechniken (Mindfulness): Ueben Sie, Ihre Emotionen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren. Einfache Atemuebungen koennen helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Zeit für eine durchdachtere Reaktion zu geben.
Weitere praktische Tipps zu Morgenroutinen, die helfen, den Tag strukturiert zu beginnen, finden Sie in unserem Leitfaden zu Morgenroutinen für mehr Energie und Fokus.
Wo Sie Hilfe bei ADHS in der Schweiz finden: Beratungsstellen, Spezialisten und Organisationen
Den richtigen Spezialisten und einen Ort für die Diagnose zu finden, ist ein entscheidender Schritt für einen besseren Umgang mit ADHS. In der Schweiz stehen Ihnen verschiedene Wege offen, wobei sich die Abläufe und Kosten je nach Kanton unterscheiden koennen.
Oeffentlicher vs. privater Diagnoseweg
- Oeffentlicher Weg (Grundversicherung): Der Prozess beginnt meist mit einem Besuch bei Ihrem Hausarzt, der eine Ueberweisung an eine psychiatrische Poliklinik oder einen Facharzt ausstellt. Die Kosten werden von der Grundversicherung gedeckt, sofern die Bedingungen erfüllt sind. Ein Nachteil können lange Wartezeiten von mehreren Monaten sein, und nicht alle Fachpersonen haben spezifische Erfahrung mit ADHS im Erwachsenenalter.
- Privater Weg: Ermöglicht einen wesentlich schnelleren Zugang zu Psychiatern und Psychologen, die auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert sind. Eine umfassende Diagnose mit einem strukturierten Interview (z.B. DIVA‑5) kann in relativ kurzer Zeit vereinbart werden. Die Kosten für eine vollständige private Diagnostik liegen typischerweise zwischen CHF 1’200.– und CHF 2’500.–, abhaengig vom Aufwand und der Region. Die genauen Preise sollten stets direkt bei der Praxis verifiziert werden.
Liste empfohlenswerter Anlaufstellen und Organisationen
In der Schweiz gibt es eine wachsende Zahl von Zentren und Spezialisten, die sich auf die Unterstützung Erwachsener mit ADHS konzentrieren. Es lohnt sich, Informationen bei lokalen Gesundheitsdiensten oder in Online-Foren zu suchen. Wichtige Wissens- und Unterstützungsquellen sind Organisationen, die Aufklärungsarbeit leisten und Selbsthilfegruppen anbieten:
- Elpos Schweiz (Verband für ADHS-betroffene Personen und ihre Familien)
- ADHS‑20+ (Verein für Erwachsene mit ADHS in der Schweiz)
Diese Organisationen verfügen oft über Listen empfohlener Spezialisten in verschiedenen Kantonen.
Online‑Diagnostik von ADHS: lohnt es sich?
Online‑Diagnostik hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Ihr Hauptvorteil ist die Verfügbarkeit, besonders für Personen aus abgelegenen Gebieten. Es ist jedoch Vorsicht geboten: Eine seriöse Online‑Diagnose sollte ein vollständiges, mehrstündiges Video‑Interview auf Basis eines anerkannten Standards (wie DIVA‑5) umfassen, durchgeführt von einer zertifizierten Fachperson (Psychiater oder Psychologe). Angebote, die sich nur auf kurze Fragebögen stuetzen, sollten gemieden werden, da oberflaechliche Diagnosen zu falschen Schlüssen führen koennen. Bei Notfällen oder Vergiftungsverdacht kontaktieren Sie immer Tox Info Suisse unter der Nummer 145.

ADHS und andere Störungen: Komorbidität mit Depressionen, Ängsten und Abhängigkeiten
ADHS (Fachbegriff für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) tritt in der Schweiz selten isoliert auf. Schätzungen zufolge weisen sogar 70–80 % der Erwachsenen mit ADHS mindestens eine komorbide psychische Störung auf, wobei dies in Schweizer Ambulanzen häufig beobachtet wird. Am häufigsten handelt es sich dabei um Angststörungen, Depressionen, bipolare Störungen sowie Suchterkrankungen.
Wie lassen sich Symptome von ADHS von Depressionen und Angststörungen unterscheiden?
Die Unterscheidung der Symptome ist zentral, da viele sich überschneiden und die Diagnose erschweren. Konzentrationsprobleme, Prokrastination oder eine geringe Motivation können sowohl bei ADHS als auch bei Depressionen auftreten. Entscheidende Unterschiede sind:
- Dauer: Bei ADHS sind Aufmerksamkeits- und Organisationsprobleme chronisch und seit der Kindheit vorhanden. Bei Depressionen treten sie oft episodisch auf und sind mit einer gedrückten Stimmung verbunden.
- Ursache: Ängste bei ADHS sind häufig reaktiv – sie resultieren aus den realen Konsequenzen der Symptome (zum Beispiel Angst vor Jobverlust aufgrund von Terminversäumnissen). Bei Angststörungen ist die Angst oft «frei schwebend» und unverhältnismässig zur Situation.
- Motivation: Eine Person mit Depression hat oft weder Kraft noch Lust, etwas zu unternehmen. Eine Person mit ADHS kann etwas sehr gerne tun wollen, aber ihr Gehirn kann den «Antrieb» nicht «einschalten», um anzufangen. Genau hier setzt eine angepasste Therapie an.
Nur ein erfahrener Spezialist, wie sie in den kantonalen psychiatrischen Diensten oder in spezialisierten Praxen zu finden sind, kann eine genaue Differentialdiagnose stellen – was für die Auswahl der geeigneten Behandlung entscheidend ist.
Erhöhtes Risiko für Abhängigkeiten und Präventionsstrategien
Die neurobiologische Grundlage von ADHS führt dazu, dass Personen mit dieser Störung einem grösseren Risiko für die Entwicklung von Abhängigkeiten ausgesetzt sind. Das Streben nach Stimulation und niedrige Dopaminspiegel können das Risiko für Substanzmissbrauch oder Verhaltenssucht wie Glücksspiel erhöhen – was in Schweizer Beratungsstellen bekannt ist. Manchmal handelt es sich um eine unbewusste Form der «Selbstmedikation».
Eine gute Nachricht ist, dass eine angemessene Behandlung von ADHS das Risiko für die Entwicklung von Abhängigkeiten erheblich verringern kann. Die medikamentöse Therapie stabilisiert die Hirnfunktion und reduziert so das Bedürfnis nach externer Stimulation. Die Therapie wiederum lehrt gesunde Strategien für den Umgang mit Impulsivität und Emotionen, was ein entscheidendes Element der Prävention darstellt.
Siehe auch unseren Leitfaden zu ganzheitlichen Strategien zur Regeneration und Energieaufbau bei Erschöpfung.
Fazit
Die Erkennung von ADHS im Erwachsenenalter ist ein entscheidender Moment, der es ermöglicht, die Quelle jahrelanger Schwierigkeiten zu verstehen und bewusst an einer Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten. Es ist kein Urteilsspruch, sondern eine Karte, die den Weg zu einem besseren Management der eigenen Ressourcen wie Kreativität und unkonventionelles Denken weist. Der Weg vom Verdacht bis hin zur vollständigen DIVA‑5‑Diagnose mag kompliziert erscheinen, aber es handelt sich um eine Investition in das Selbstverständnis.
Denken Sie daran, dass ein ganzes Spektrum an Werkzeugen zur Verfügung steht – von der Pharmakotherapie über die Verhaltenstherapie (CBT) bis hin zu Coaching. Der wichtigste Schritt ist, aktiv zu werden und professionelle Hilfe zu suchen, die Sie bei Ihrem Hausarzt oder über die kantonalen Gesundheitsdienste finden können. Eine Diagnose ist der Beginn eines neuen, bewussteren und erfüllenderen Lebensabschnitts.
Artikel erstellt von der Redaktion «Gut leben». Fachliche Beratung: Dr. med. Jan Kowalski, Facharzt für Psychiatrie.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sollte ich tun, wenn ich bei mir selbst ADHD vermute?
Der erste Schritt ist der online verfuegbare ASRS-Screentest, der ein erstes Risiko einschaetzt. Zeigt das Ergebnis ein hohes Risiko an, solltest du einen Termin bei einer Psychiaterin oder einem diagnostizierenden Psychologen fuer ein ausfuehrliches klinisches Interview vereinbaren – dabei kommt haeufig das DIVA-5-Instrument zum Einsatz. Dieses strukturierte Interview ist in der Schweiz der Standard fuer die Erwachsenendiagnostik.
Muss man ADHD-Medikamente ein Leben lang einnehmen?
Die Einnahmedauer wird individuell mit einem Psychiater entschieden. Viele Betroffene benoetigen die Medikation als wesentliche Stuetze. Durch begleitende Therapie und das Entwickeln eigener Strategien koennen manche die Dosis unter aertzlicher Aufsicht reduzieren oder sogar absetzen. Genau hier passieren in der Praxis viele Fehler – ein Absetzen sollte nie ohne fachliche Begleitung erfolgen.
Wie unterscheiden sich ADHD-Symptome zwischen Frauen und Maennern?
Maenner zeigen haeufiger Ueberaktivitaet und Impulsivitaet, die leichter erkennbar sind. Frauen leiden oefter unter dem vorwiegend unaufmerksamen Typus. Zudem verbergen Frauen ihre Symptome oft durch Kompensationsmechanismen (sogenanntes Masking), was zu verspaeteten Diagnosen und Verwechslungen mit Angststoerungen oder Depression fuehrt. In Schweizer Spitaelern und Beratungsstellen wird dieser Unterschied zunehmend beruecksichtigt.
Kann ADHD bei Erwachsenen «geheilt» werden?
ADHD ist eine lebenslange neurologische Entwicklungsstoerung und nicht heilbar. Das Ziel der Behandlung ist die wirksame Kontrolle der Symptome, um deren negative Alltagsauswirkungen zu minimieren. Mit passender Therapie, Medikamenten und individuellen Strategien koennen Erwachsene mit ADHD jedoch ein erfuelltes Leben fuehren. Eine Konsultation bei einem Facharzt in deinem Kanton ist der richtige Weg.
Wo kann man sich in der Schweiz auf ADHD diagnostizieren lassen und was kostet das?
Die Diagnose erfolgt ueber eine Ueberweisung zum Psychiater oder in spezialisierten ADS/ADHS-Sprechstunden, die es in vielen Kantonen gibt. Die Kosten fuer eine umfassende private Diagnose inklusive DIVA-5-Interview liegen typischerweise zwischen CHF 800.– und CHF 1’500.–, abhaengig von Kanton und Fachperson. Beachte, dass die Verguetung durch die Zusatzversicherung kantonal unterschiedlich geregelt ist.
Autoritative Quellen
- ADHD bei Erwachsenen | ADHD in adults in Polish – Offizielle Uebersetzung einer renommierten psychiatrischen Organisation, die umfassende, fachgepruefte Informationen ueber ADHD bei Erwachsenen bereitstellt, inklusive detaillierter Symptombeschreibung und Behandlungsoptionen.
- Diagnostik und therapeutisches Vorgehen bei Erwachsenen mit ADHD – Empfehlungen der PTP (Termedia) 2024 – Fuehrender polnischer medizinischer Verlag, der aktuelle klinische Leitlinien und Empfehlungen zu diagnostischen Standards und therapeutischen Ansaetzen fuer Erwachsenen-ADHD bietet, mit Schwerpunkt auf evidenzbasierter lokaler Praxis.
- Adult ADHD: Diagnosis, Differential Diagnosis, and Medication Management – Fachbegutachteter wissenschaftlicher Artikel, der einen detaillierten klinischen Ueberblick und Therapieanleitungen fuer Erwachsenen-ADHD bietet, verfasst von universitaeren Psychiatrie-Experten und gekennzeichnet durch hohe wissenschaftliche Autoritaet und Strenge.
- DIVA Foundation – Worldwide Diagnostic Interview for ADHD – Offizielle Website des Goldstandards fuer die Diagnostik von ADHD bei Erwachsenen (DIVA-5), der weithin fuer klinische Beurteilungen nach DSM-5-Kriterien anerkannt ist und grundlegende Informationen zum Diagnoseinstrument bietet.
- Diagnosing ADHD | Attention-Deficit / Hyperactivity Disorder (ADHD) | CDC – Autoritative Gesundheitswebsite der US-Regierung, die die Kriterien zur ADHD-Diagnose gemaess DSM-5 erklaert, Schwellenwerte fuer Symptome und Differentialdiagnosen klaert und vertrauenswuerdige oeffentliche Gesundheitsrichtlinien liefert.